Wenn Mitarbeitende nicht mitziehen – was Führung wirklich aushalten muss
Es ist leicht, motivierte Teams zu führen.
Anspruchsvoll wird Führung, wenn Menschen innerlich aussteigen.
Wenn Mitarbeitende sich verweigern, langsamer werden oder nur noch „Dienst nach Vorschrift“ machen, entsteht schnell Druck. Auf beiden Seiten.
Und oft auch Unsicherheit: Was läuft hier eigentlich schief?
Denn nicht jede Form von Rückzug ist Widerstand.
Und nicht jede Leistungsflaute ist Unwillen.
Eine Unterscheidung, die entlastet
Für Führungskräfte ist eine Differenzierung hilfreich – und oft klärend:
Nicht können
Manche Mitarbeitende sind fachlich, emotional oder organisatorisch überfordert. Erwartungen sind unklar, Anforderungen haben sich verändert, Unterstützung fehlt.
Nicht wollen
Hier geht es um Haltung, Motivation oder bewusste Entscheidung. Nicht jede Aufgabe wird akzeptiert, nicht jede Richtung mitgetragen.
Nicht mehr glauben
Besonders herausfordernd: Menschen, die den Sinn verloren haben. Die sich innerlich verabschiedet haben – nicht aus Faulheit, sondern aus Enttäuschung.
Diese Unterscheidung schafft Handlungsspielraum.
Denn jede Situation verlangt etwas anderes.
Typische Fehlreaktionen – gut gemeint, wenig wirksam
Unter Druck reagieren Führungskräfte oft reflexhaft:
Druck erhöhen, um Bewegung zu erzwingen
Ignorieren, in der Hoffnung, es regelt sich von selbst
Retten, indem Verantwortung übernommen wird, die nicht die eigene ist
Kurzfristig kann das funktionieren. Langfristig verschärft es die Situation.
Denn keine dieser Reaktionen klärt, was wirklich gebraucht wird.
Der Perspektivwechsel: Was Führung steuern kann – und was nicht
Führung heißt nicht, Motivation zu verordnen.
Oder jede Entwicklung kontrollieren zu können.
Führung kann:
Klarheit schaffen
Erwartungen benennen
Rahmen setzen
Konsequenzen transparent machen
Führung kann nicht:
Sinn erzwingen
innere Entscheidungen abnehmen
jede Entwicklung auffangen
Diese Klarheit entlastet – und stärkt zugleich.
Drei Leitfragen für Führungskräfte
In herausfordernden Situationen helfen diese Fragen, den eigenen Handlungsspielraum zu klären:
Was erwarte ich – und habe ich es wirklich geklärt?
Nicht alles, was klar gemeint ist, ist auch klar gesagt.
Was ist mein Anteil an der Situation?
Führung wirkt – immer. Auch durch Unklarheit, Schweigen oder Vermeidung.
Was ist verhandelbar – und was nicht?
Nicht jede Erwartung ist optional. Und nicht jede Grenze verhandelbar.
Klarheit ist kein Gegensatz zu Empathie.
Sie ist ihre Voraussetzung.
Haltung statt Harmonie
Führung wird unbequem, wenn es keine einfachen Lösungen gibt.
Wenn Gespräche nötig sind, die man lieber vermeiden würde.
Wenn Klarheit wichtiger ist als Beliebtheit.
Führung heißt nicht, alle mitzunehmen.
Sondern klar zu bleiben, auch wenn es Spannung erzeugt.
Und genau darin liegt ihre Wirkung.
Wenn Sie sich selbst und Ihre Wirkung ehrlicher in den Blick nehmen möchten. Ich begleite Sie gern im persönlichen Dialog. Nehmen sie Kontakt mit mir auf.
