Navigieren in Sturm – Fokus in der Krise

Das Management von Unternehmen wird in manch bildhafter Umschreibung gerne mit dem Kapitän eines Schiffes verglichen, der die Route festlegt, den Kurs korrigiert und das Schiff auch im Sturm sicher ans Ziel bringt. Auf das Corona-Virus folgt die Corona-Krise und das mit einer Kraft, dass der Vergleich eines Sturms hier sicherlich zulässig ist. In den letzten Wochen war die aktuelle Krise Bestandteil in fast jedem unserer Gespräche mit Kunden und im Netzwerk. Häufig gekoppelt mit der Hoffnung, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwärts geht, wenn eine zweite Corona-Welle ausbleibt bzw. nicht so stark ausfällt, dass ein weitreichender Lock-Down in Deutschland notwendig wird. Nun ist es mit der Hoffnung in diesem Fall so, dass das Eintreten des gewünschten Ergebnisses nur bedingt von einzelnen Unternehmern bzw. deren Management beeinflusst werden kann. Oder bei der Analogie zu bleiben – der Sturm ist da und wir wissen noch nicht, wie lange er dauern wird.

Unsere Gespräche mit Unternehmern und Managern prägt daher eher die Frage, was bedeutet diese neue Situation für das jeweilige Unternehmen und die bisherige geschäftliche Ausrichtung. Sicher ist, Krisen erzeugen Unsicherheit und zusätzliche Komplexität. Es ist aber im weiteren Verlauf dann regelmäßig zu beobachten, dass Krisen auch als Beschleuniger von Veränderung und Innovation fungiert haben. Um diesen Ausprägungen in beide Richtungen Rechnung zu tragen, empfehlen wir drei zentrale Elemente im Fokus zu behalten, die immer gültig sind und in Ausnahmesituationen eine besondere Aufmerksamkeit bedürfen.

Kunden – Veränderungen der Bedarfssituation

Der Blick auf die Kunden ist so etwas wie der Blick auf das Ziel und der Kompass zur Standortbestimmung. Dieser sollte bei aller in Krisen auch notwendigen Innenorientierung nicht verloren gehen. Dadurch, dass Corona alle betrifft, reagieren Kunden folglich auch mit sich ändernden Erwartungen und Zielsetzungen auf ihre individuell neue Situation. Dies kann bedeuten, dass bisher erfolgreiche Produkte und Services nicht mehr nachgefragt werden (können) und Strategien, Kunden zu erreichen, neu bewertet werden müssen. In den Gesprächen empfehle ich an dieser Stelle immer, vor allem die Rückkoppelung mit den Bestandskunden sicherzustellen und Instrumente zu installieren, die das Feedback ins Unternehmen tragen. Dies fungiert zugleich als Frühwarnsystem für o.g. Veränderungen auf Kundenseite und erlaubt es gleichzeitig mit bestehenden Geschäftspartnern nach Lösungen zu suchen und so die Kundenbeziehung auch in der Krise zu sichern.

Kommunikation – keine Einbahnstraße

Im Sturm braucht es viel Kommunikation. Hier sind Management und Führungskräfte also besonders gefragt, gerade, weil dies eine nicht alltägliche Situation ist. Homeoffice und Kurzarbeit treffen auf die volle Bandbreite von Unsicherheit und Ängsten auf der einen und Gestaltungsfreude und kreative Energie auf der anderen Seite. Hier ist Transparenz über die aktuelle Situation und Herausforderungen genauso wichtig, wie die Einladung zum Dialog. Management und Führungskräfte sollten daher nicht nur senden, sondern auch viel Raum für Fragen und Anregungen einräumen. Gerade mit Blick auf mögliche Lösungen und Ideen und die Einbindung der Kundenperspektive steckt hier ein großes Potenzial.

Innovation – notwendig und chancenorientiert

Der dritte Fokusbereich sollte dabei auf Innovation liegen. Dies hat zwei wesentliche Gründe. Den ersten bezeichne ist als „notwendige“ Innovation. Diese entsteht, wenn sich mit Blick auf den Kunden oder durch das Feedback der Mitarbeitenden zeigt, dass eine Kurskorrektur oder sogar ein neues Ziel notwendig ist. Hierzu braucht es im Unternehmen die notwendigen Instrumente und Rahmenbedingungen, dass dies wahrgenommen, interpretiert und letztlich in Handlung umgesetzt werden kann. Ergänzend ist es in einer Krisensituation sinnvoll, die eigene Marktposition zu bewerten und zu überprüfen, ob neue Geschäftschancen entstehen. Dieses Feld ordne ich eher einer „chancenorientierten“ Sicht auf Innovationen zu. Beide Sichtweisen auf Innovation im Unternehmen zu verankern lohnt sich, da damit eine zukunftsorientierte Bewertung der Krisensituation implementiert wird und auf die Veränderungen im Markt auf das eigene Geschäftsmodell reagiert werden kann.

Dieser Blogbeitrag ist als Impuls gedacht, auf was wir uns neben der wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit in der aktuellen, gesamtwirtschaftlichen Krisensituation fokussieren sollten. Mit dem Blick auf die drei zentralen Elemente – Kunde, Kommunikation, Innovation -, die im Fokus behalten werden sollten, wird im Wesentlichen auf ohnehin notwendige Instrumente zurückgegriffen, die es erlauben, auch im Sturm handlungsfähig zu bleiben. Dies in Kombination mit einer notwendigen Innenorientierung auf die Funktionsfähigkeit des Schiffes, erlaubt es auch im Sturm zu navigieren und, wenn notwendig, den Kurs deutlich zu verändern und auf ein neues Ziel auszurichten.

Marius Felzmann // 11.8.2020

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